Text & Fotos: Guido

Workouts für den Wahoo ELEMNT BOLT

Obwohl es schon seit dem Erscheinen des Wahoo ELEMNT BOLT angekündigt wird, hat Wahoo noch immer kein Update herausgebracht, das einen Import von selbst erstellten strukturierten Workouts in den gängigen Formaten (fit, mrc oder erg) erlaubt.

Wahoo verweist darauf, dass man Workouts auf der Plattform TrainingPeaks erstellen, planen und mit dem ELEMNT BOLT synchronisieren kann. Das funktioniert auch komfortabel, allerdings ist der kostenlose Basisaccount von TrainingPeaks stark limitiert. Mehr als ein Workout pro Tag ist nicht möglich, Workouts lassen sich nur für den jeweiligen Tag oder den Folgetag planen und in der Workoutlibrary können lediglich fünf eigene Workouts gespeichert werden. Für eine sinnvolle Trainingsplanung, bei der man auf eine nach Zyklen geordnete Bibliothek von Trainingseinheiten zurückgreifen will, ist das viel zu wenig. Ob Wahoo das nicht umsetzen kann oder nicht umsetzen will - es erscheint zumindest nicht als völlig unwahrscheinlich, dass es einen Kickback von TrainingPeaks gibt, der derzeit noch das Jammern der eigenen Kunden aufwiegt - ist unklar. Aber: es gibt einen Workaround.

Workouts lassen sich komfortabel mit Workouteditoren wie dem in GoldenCheetah erstellen

Workouts lassen sich in GoldenCheetah mittlerweile grafisch oder mithilfe des schlichten aber übersichtlichen Workout Assistenten erstellen. GoldenCheetah ist eine kostenlose wattbasierte Trainingssoftware, die permanent und offen von einer engagierten Gruppe freier Entwickler, Mathematiker und Sportwissenschaftler rund um Mark Liversedge weiterentwickelt wird und die sich nicht alleine auf ein einziges Metriksystem (wie z.B. TrainingPeaks) verlässt. Die Workouts können, wenn sie fertig sind, in verschiedenen Formaten lokal oder in einer Cloud/Dropbox abgespeichert werden. Wir wählen hier das erg-Format. Ihr könnt natürlich auch Workouts aus der ErgDB oder aus anderen Trainingsprogrammen (z.B. Sufferfest) benutzen.

Das fertige Workout wird im erg-Format abgespeichert.

Ein Workout ist schnell erstellt - aber kurz Hand anlegen muss man trotzdem

Jetzt kommt der erste Haken an der Sache: in der erg-Datei mit unserem Workout müssen die Zeitdauer und die Leistungsvorgabe durch einen Tab und nicht durch Leerzeichen getrennt sein, damit der ELEMNT BOLT die Datei verarbeiten und in sein eigenes plan-Format umwandeln kann. Öffnet mit einem beliebigen Texteditor die erg-Datei und ersetzt manuell die Leerzeichen und Tabs. Speichert die Datei. Zum Ausprobieren könnt ihr hier ein fertig erstelltes Workout herunterladen.

Die erg-Datei im Windows-Texteditor. Zwischen Zeit und Leistung (blau hinterlegt) müssen Leerzeichen gegen einen Tab getauscht werden.

Unser Beispiel ist eine typische Einheit, wie man sie zur Vorbelastung fährt. Was das ist und warum man das macht, erfahrt ihr in unserem Kurz erklärt-Beitrag zur Vorbelastung. In der Beispieldatei ist die maximale Zeitspanne für das Einfahren mit 60 min vorgegeben. Das bedeutet aber nicht, dass ihr euch eine Stunde lang einfahren sollt, ca. 20 min sollten völlig reichen. Ihr müsst also, wenn ihr soweit seid und mit dem ersten Belastungsintervall bzw. dem Hauptteil der Einheit beginnen wollt, beim ELEMNT BOLT im der Trainingsansicht auf "weiter" klicken. Wer mal mit einem Garmin-Gerät gearbeitet hat, kennt vielleicht die Möglichkeit, bei der Erstellung eines Workouts die Dauer eines Intervalls solange "offen" zu lassen, bis die Rundentaste gedrückt wird. Dies ist das Gleiche. Genauso verfahrt ihr auch, wenn ihr zwischen einzelnen Belastungsintervallen längere Erholungszeiten machen, aber nicht Gefahr laufen wollt, dass das nächste Intervall genau dann einstartet, wenn ihr gerade an einer Ampel steht. Wenn ihr das Workout immer indoor fahren wollt, dann könnt ihr an solchen Stellen auch absolute Zeitspannen angeben.

Schließt euren ELEMNT BOLT per USB an euren Rechner an und lasst ihn euch als Laufwerk anzeigen. Sucht den Ordner ELEMNT-BOLT > USB storage > plans und kopiert die erg-Datei in diesen Ordner. Schaltet den ELEMNT BOLT ein. Unter geplante Trainingseinheiten findet ihr jetzt das von euch erstellte Workout. Wenn ihr das einmal gemacht habt, werdet ihr merken, dass das Ganze recht schnell geht.

Selbst abgespeicherte Workouts oder Routen lassen sich allerdings nicht so ohne Weiteres wieder vom Gerät löschen

Jetzt kommt der zweite Haken: Aufgrund des unflexiblen Synchronisationsablaufes, den Wahoo bis heute durchführt, können Dateien, die ihr manuell auf dem ELEMNT BOLT gespeichert und nicht über eine der Wahoo-Partnerplattformen online generiert habt - dazu gehören selbst erstellte Workouts genauso wie selbst erstellte Routen - nicht so ohne Weiteres gelöscht werden. Selbst wenn ihr solche Dateien manuell vom ELEMNT BOLT löscht, synchronisiert der Wahoo-Server sie immer wieder auf euer Gerät zurück und es bekommt nie das Signal, die Datei(en) endgültig zu löschen. Ewig grüßt das Murmeltier. Der einzige Weg derzeit wäre ein Werksreset, also ein Zurückstellen des ELEMNT BOLTs auf seine Werkseinstellungen. Wenn ihr euch eine Bibliothek selbst erstellter Workouts außerhalb der kostenpflichtigen Wahoo-Partnerplattformen erstellen möchtet, solltet ihr euch auf regelmäßig in eurem Trainingsplan wiederkehrende Workouts beschränken. Denn die wollt ihr gar nicht löschen.

Eine Nachfrage bei Wahoo ergab, dass man dieses Problem nicht berücksichtigt habe, aber mittelfristig eine Lösung herausbringen wolle, um selbst erstellte Workouts im ERG/FIT/MRC-Format auch manuell speichern und verwalten zu können. Was "mittelfristig" bei Wahoo bedeutet, ist indes unklar. Die Möglichkeit, selbst- bzw. manuell erstellte Workouts zu importieren, wurde bereits im August 2017 angekündigt, aber in den bisherigen Updates nicht umgesetzt. So ist der Wahoo ELEMNT BOLT leider nicht aus sich selbst heraus für ein strukturiertes Training zu gebrauchen und bleibt trotz vieler toller Features, mit denen er sich von den Garmingeräten abhebt, ein Radcomputer für die Touristikerszene.

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