Text & Fotos: Fellusch

Easton EA 90 Aero - Build on a budget

Auch wenn wir im Jahr 2018 vermehrt mit Disc-Laufrädern aus Carbon auf die Straße gehen, möchte ich diesen Artikel denjenigen ans Herz legen, die sich gerne mit minimalem finanziellen Aufwand einen schönen Laufradsatz aufbauen möchten und gerne eigene Projekte umsetzen. Und oftmals lohnt es sich dabei, gebrauchte Teile in Erwägung zu ziehen.

Mein Ausgangspunkt: Aufbau eines möglichst leichten und günstigen Laufradsatzes, den ich im Training bei schnellen Einheiten fahren kann, ohne dass ich Rücksicht aufs Wetter nehmen muss. Der erste Schritt war die Suche nach geeigneten Teilen, also Felgen, Naben und Speichen. Da ich die Kosten niedrig halten wollte, durfte ruhig Gebrauchtes dabei sein.

Felgen und Naben

Meine erste Anlaufstelle für gebrauchten Kram aller Art ist eBay-Kleinanzeigen. Dort wurde ich relativ schnell fündig und erstand einen Satz Easton EA 90 Aero-Felgen. Für die beiden leicht gebrauchten Alufelgen wurden nur 50,- € aufgerufen, was für mich total okay war. Man hätte statt einer Alufelge auch was aus Carbon nehmen können, aber ich wollte zum einen den Kostenfaktor möglichst klein halten. Außerdem wollte ich nicht Carbonflanken wie Parmesan herunterhobeln, wenn wir unsere Winterrunden über nasse und sandige Bauernwege drehen.

Die vorhandene Speichenlochanzahl von 18/20 ist eine Herausforderung

Die Speichenlochanzahl von 18 vorne und 20 hinten grenzte die Wahl der Naben schon etwas ein. Da ich mit Novatec bisher immer gute Erfahrungen gemacht hatte, griff ich zu den Novatec-Naben A291SB und F482SB von CNC Bike.

Aerospokes vs. Roundspokes

Ende letzten Jahres las ich einen Artikel von November Bicycles, der die aerodynamischen Unterschiede einer flachen Sapim CX-Ray-Speiche und einer runden Sapim Laser-Speiche beschrieb. Dort schnitt die runde Sapim Laser erstaunlich gut ab. Ich entschied mich also dafür, vorne die Laser-Speichen zu verwenden und hinten eine Kombination aus Sapim Laser und - ebenfalls mit rundem Profil - Sapim Race-Speichen. Am Hinterrad ist der aerodynamische Unterschied noch geringer, da der Fahrer den Luftstrom verändert.

Die unterschiedlichen Wattwerte bei 20, 25 und 30 Meilen pro Stunde.

Quelle: November Bicycles

Vorteil der runden Speichen ist auch, dass sie sich nicht verwinden, wenn man sie auf Spannung bringt. Und günstiger sind sie auch noch. Beim Vorderrad machte ich mir bei der Verwendung der Sapim Laser-Speichen trotz nur 18 Löchern keine Sorgen. Da das Hinterrad nur 20 Speichen bekommt, wollte ich dort keine Experimente wagen und entschied mich links für Sapim Laser und rechts für die mit 1.8 mm etwas dickere Sapim Race-Speiche. Gekreuzt habe ich beide Seiten zweifach.

Nackte Zahlen

Manchmal können auch nackte Zahlen reizvoll sein, hier der Beweis:

Für den gesamten Laufradsatz habe ich 143,90 € bezahlt - und dafür einen Laufradsatz mit nur 1.447 g Gesamtgewicht bekommen. Und jetzt überlegt mal, was ein Laufradsatz kostet, der unter 1.450 g wiegt. Oder wieviel ein Laufradsatz wiegen würde, der 143,90 € kostet. Ganz egal, wie ich es drehe, mit meinem Satz komme ich bestens weg.

Die Links zu den beiden Shops für Naben, Speichen und Nippel habe ich unten verlinkt.

Erste Ausfahrt: Geil - Zweite Ausfahrt: Immer noch geil

Ich habe mir die Laufräder an einem Freitagabend final aufgebaut und bin sie dann sonntags bei einer der Runden, die ab dem Hirschkamp in Oberhausen starten, gefahren. Das Tempo war zwar moderat, aber gegen Ende kam es dann doch zu einigen harten Antritten und die kleinen Wirtschaftswege boten ein paar schön verstecke Schlaglöcher. Perfekte Bedingungen also, um die Nehmerqualitäten eines Laufradsatzes zu testen. Und Nehmerqualität hatte er genauso bewiesen wie einen schönen Lauf.

Für die zweite Ausfahrt habe ich dem Laufradsatz dann noch Veloflex Master-Reifen in 25 mm Breite spendiert. Was soll ich sagen? Geil!

Auch wenn ein zwanzigmal so teurer Laufradsatz von Zipp o. a. im Labor eine bessere Aerodynamik haben wird - ich bin happy mit diesem Satz!

Links zum Artikel

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