Text & Fotos: Guido

Der Turboguide fürs erste Rennen

Die meisten Jugendlichen erleben ihr erstes Mal zwischen 16 und 17 Jahren. Ein Drittel erst später (Quelle: BRAVO). Bei Rennfahrerinnen und Rennfahrern ist es allerdings ganz anders. Da kann das erste Mal durchaus früher sein. Oder später. Doch ungeachtet des Einstiegsalters sind die Fragen, die man sich vorher stellt, grundsätzlich immer die gleichen.

Plötzlich steht das erste Lizenzrennen an. Wie kann ich mich - losgelöst vom Training - darauf vorbereiten? Was kann ich machen, damit der Renntag bzw. die Zeit vor dem Rennen möglichst stressfrei abläuft? Wie läuft das überhaupt vor Ort? Wo bekomme ich meine Nummer her? Kann ich vorher auf die Strecke? Wo kann ich mich einfahren? Wie früh sollte ich mich an den Start stellen? Im Prinzip ist der Ablauf immer gleich. Hier ist eine kleine und bewährte Checkliste mit den wichtigsten Punkten, die euch den ersten Renntag leichter machen soll.

1.

Strecken- und Ortsrecherche

Recherchiert die Strecke insbesondere mit Hilfe von STRAVA und YouTube.

Ihr findet die meisten Rennstrecken als Segmente bei STRAVA. Schaut euch das Streckenprofil an. Wo sind Steigungen, wo ist Gefälle, wie hart sind die Kurven? Schaut euch das Segment-Leaderboard und einzelne Fahrten an. Unter "Analyse" könnt ihr bei einigen Fahrerinnen/Fahrern die Leistungsdaten sehen und für euch den physiologischen Aufwand abschätzen. Schaut euch auch die Umgebung an. Wo wäre eine gute Parkmöglichkeit? Wo wäre eine geeignete Strecke, um euch einzufahren? Sucht bei YouTube nach Videos des Rennens aus den Vorjahren. Immer öfter haben Fahrer eine GoPro, eine Virb o. ä. am Rad montiert und die Videos - zum Teil sogar mit eingeblendeten Leistungsdaten - bei YouTube eingestellt.

2.

Seid rechtzeitig vor Ort

Rechtzeitig heißt: gönnt euch ein bis eineinhalb Stunden Vorlauf.

Nehmt euch die Zeit, um euch selbst und das Rad in Ruhe bereit zu machen. Wenn euer Rennen das erste Rennen des Tages ist, könnt ihr euch in aller Regel bereits auf der Strecke einfahren. Ansonsten geht die Strecke wenigstens einmal ab. Schaut euch den Bodenbelag an. Wo sind Fahrbahnschäden? Wo Fahrbahnmarkierungen? Wo stehen Gullideckel hoch? Wie schnell werdet ihr die einzelnen Kurven im Idealfall nehmen können? Quatscht ein bisschen mit anderen Fahrern, vielleicht bekommt ihr so noch ein paar Infos zum Rennen aus erster Hand. Fragt, wenn ihr nicht wisst, wo die Nummernausgabe oder eine Toilette ist. Esst noch was. Und: entspannt euch, bitte.

3.

Nummer abholen

Holt, bevor ihr euch einfahrt, eure Startnummer und ggf. den Transponder ab und bringt beides richtig an.

Die Nummernausgabe ist, wie ihr unten sehen könnt, meistens ziemlich unspektakulär. An der Nummernausgabe hängen oder liegen die Meldelisten zu den einzelnen Rennen aus. Schaut dort nach eurem Namen und eurer Startnummer. Haltet eure Lizenz und das Nenngeld (wenn ihr es nicht schon vorher überweisen musstet) bereit. Nennt eure Startnummer, händigt eure Lizenz aus - die bekommt ihr zurück, wenn ihr die Startnummer und ggf. den Transponder wieder abgebt - und nehmt die Startnummer und ggf. den Transponder in Empfang. Nehmt euch mindestens sechs Sicherheitsnadeln für die Startnummer und, wenn ihr einen Transponder bekommt, noch Kabelbinder mit. Beides sollte an der Nummernausgabe ausliegen. Fragt ggf. noch einmal nach, auf welche Seite die Nummer kommt (im Zweifel immer auf die Seite, auf der der Kommissärwagen an der Start-/Ziellinie steht).

Pinnt euch die Nummer an. Zieht dabei möglichst das Jersey aus, spannt es zwischen den Knien und benutzt nicht die vier vorgestanzten Löcher in der Startnummer, denn das ist fast ein Garant für halb herunterhängende Startnummern. Pinnt die Sicherheitsnadeln besser durch die Folie bzw. das Papier, und zwar so, dass ihr noch in die Rückentaschen greifen könnt.

In einigen Rennen werden mittlerweile Transponder verwendet. Ob das in einem Rennen der Fall ist oder nicht, steht in der Ausschreibung bei Rad-Net. Den Transponder befestigt ihr mit Kabelbinder und möglichst zusätzlich mit (selbst mitgebrachtem) Isolierband, damit er nicht runterrutscht, an einer Gabelscheide eures Rads. Nehmt euch, wenn Transponder verwendet werden, einen Nagelknipser o. ä. mit, damit ihr den Kabelbinder nach dem Rennen wieder abbekommt.

4.

Steht rechtzeitig am Start

Bei machen Rennen ist das schon die halbe Miete. Zur Not verzichtet, wenn ihr euch zwischen beidem entscheiden müsst, besser auf das Einfahren.

Bei einigen Rennen - das VIVA-West Rennen in Duisburg-Walsum ist ein gutes Beispiel - kann es euch passieren, dass ihr noch am Start steht, während die Führenden bereits auf der Gegengeraden sind. Dann könnt ihr eigentlich direkt stehenbleiben und eure Nummer wieder abgeben. Zehn Minuten vor Start am Start sein ist eine gute Faustregel.

Stellt euch soweit wie möglich nach vorn. Am besten direkt an die Startlinie. Schaltet auf einen nicht zu dicken Gang, damit ihr schnell anfahren könnt. Gerade in der C-Klasse sind die Starts - wenn die ersten Runden nicht neutralisiert sind - wie Starts bei einem Cyclocrossrennen. Explosiv, schnell, hektisch, laut.

5.

Genießt es und habt Spaß

Ihr seid ja keine Profis, bestenfalls Profamateure. Niemand zwingt euch. Genießt den Speed, den Lärm, das Adrenalin und auch den Schmerz.

Und dann seid ihr unterwegs. Viel Spaß, viel Erfolg und keinen Sturz!

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