Die Zweite Etappe der VIVAWEST-Ruhrpott Tour
Text: Guido & Fotos: Fellusch

2. Etappe VIVAWEST-Ruhrpott Tour 2018

City-Nacht in Gelsenkirchen-Schaffrath

Die City-Nacht von Schaffrath, die zum 25. Mal ausgetragen wurde, ist eines dieser Rennen, die zeigen, wie fest der Radsport mit einer Stadt verwurzelt sein kann. Ähnlich wie es vor zehn Tagen in Oberhausen beim Großen XXXL Rück-Preis der Fall war, standen und saßen auch hier die Anwohner und Besucher am Streckenrand zusammen und feierten die auf dem hyperschnellen 1.100 m-Rundkurs vorbeirasenden Fahrer. Und, O' Lord, waren die schnell.

Reinhardt ist in granatenstarker Form und gewinnt das KT/A/B/C-Rennen, Nordhoff Gesamtführender

Das Hauptrennen des Abends ist extrem stark besetzt. Das ist etwas, was Michael Zurhausen, Organisator der VIVAWEST-Ruhrpott Tour und vieler anderer Rennen in der Region, wirklich raus hat. Irgendwie bekommt er immer Spitzenfahrer zusammen, die z. T. extra vom anderen Ende der Republik anreisen.

Unter den Fahrern der Elite-KT ist eine All Star-Auswahl vom Team Heizomat rad-net.de versammelt: Theo Reinhardt, Lucas Liss, Nils Schomber, die schon beim Pfingstrennen in Oberhausen im Team gefahren sind, und Leif Lampater, einer der erfahrensten Sechstagefahrer.

Auch Christian Grasmann, der Chef der Pushbikers auf der Bahn und auf der Straße, der ebenfalls am Start steht, ist ein sehr erfahrener Fahrer im Six Days-Universum. Er hatte in der Vergangenheit bei Sechstagerennen häufig Pech gehabt, 2016 platzte dann der Knoten. Er gewann mit dem Belgier Kenny de Ketele das Sechstagerennen Bremen und letztes Jahr zusammen mit Roger Kluge das Sechstagerennen Rotterdam. Zur Verstärkung hat er weitere Pushbiker dabei: den Australier Stephen Hall, der sich vor anderthalb Wochen in Oberhausen hinter Reinhardt als Zweiter platzieren konnte, Hannes Baumgarten und Joseph Semon-Berlin, der aus Besançon stammt.

Hard day in the mongo zone. Nils Büttner vom Team Kern-Haus auf STRAVA.

Unter den A-Fahrern sticht auch wegen des auffälligen und sehr Rapha'esken Outfits das Team Kern-Haus hervor, das in voller Mannschaftsstärke angereist war. Alexander Nordhoff, der Führende in der Gesamtwertung der VIVAWEST-Ruhrpott Tour, hatte Fahrer wie Alexander Weifenbach, Dominik Ivo oder Lennart Klein an seiner Seite. Nils Büttner, einer der jüngeren Fahrer im Kern-Haus Team, der letztes Jahr das KT/A/B-Rennen der Duisburger Etappe gewann, umschreibt das Rennen später auf STRAVA mit "hard day in the mongo zone".

Weiter waren Fahrer vom Team KOM-Sport, vom Team Erdinger Alkoholfrei - Dominik "Merse" Merseburg, der früher für das KT-Team Bike Aid gefahren ist, landet später auf dem 7. Platz - und vom Team Embrace The World - Thomas Koep fährt später auf den 4. Platz - dabei. Auch das Leeze Biehler Cycling Team war mit starken Fahrern da, Julian Horstmann, der letztes Jahr das C-Rennen der VIVAWEST-Ruhrpott Tour-Etappe in Duisburg gewann und im gleichen Jahr weiter in die A-Klasse aufgestiegen ist, fährt später auf den 13. Platz. Heute waren auch alle drei Klemme-Brüder, die leider für unterschiedliche Teams fahren - ich würde gerne mal alle drei in einem Team agierend sehen - dabei.

Gnadenlos hohes Tempo, Weltmeister Reinhardt gewinnt eine Runde nach der anderen

Das Rennen startet schnell. Und es bleibt schnell. Dem hohen Tempo fallen bereits in den ersten Runden Fahrer - vor allem viele der C-Fahrer - zum Opfer. Reinhardt und Weifenbach schlagen vorn ein mörderisches Tempo an. Hinten bilden sich zwei, drei kleinere Grüppchen und schließlich ein stetig wachsendes Grupetto um den Niederländer Stefan Cohnen, einem sehr erfahrenen Fahrer vom Mini Team Düren, der früher für verschiedene Continental-Pro-Teams gefahren ist und letztes Jahr das C-Rennen in Duisburg im Rahmen der VIVAWEST-Ruhrpott Tour gewonnen hat. Vorne wird das Tempo immer wieder verschärft. Trotz der Hitze des Tages, die jetzt, am Abend, eine schwüle Wärmewand gebildet hat. Reinhardt fährt Runde um Runde als erster über den Zielstrich. Aber noch gelingt es niemandem, sich wirklich dauerhaft vom Feld zu lösen. Das Grupetto, in dem etwa ein Dutzend Fahrer kämpfen, hängt mittlerweile mehr als 35 Sekunden hinter dem Hauptfeld und ist auf der Flucht vor dem Besenwagen.

Boiling heat, summer stench / 'Neath the black the sky looks dead / Call my name through the cream / And I'll hear you scream again. Soundgarden, Black Hole Sun.

Das Grupetto ist mittlerweile von der Strecke gehupt worden. Es sind noch etwa 20 Runden bis zum Schluss. Das Tempo bleibt unverändert hoch. Zwischen Reinhardt und Justin Wolf vom Team Sportforum Düsseldorf/Kaarst-Büttgen, dem Vorjahressieger der Schaffrather Etappe, steht es beim Kampf um die höchste Anzahl der jeweils "gewonnenen" Runden 11 : 6 zugunsten Reinhardts.

Zwölf Runden vor Schluss.

Eine zehnköpfige Spitzengruppe um Reinhardt, Wolf, Dominic Klemme - er ist der älteste der drei Klemme-Brüder und früher als Pro u. a. für Saxo Bank und dem Nachfolgeteam Leopard Trek gefahren - und den drei Team Kern-Haus Fahrern Weifenbach, Nordhoff und Simon Happel hat sich in einem Gewaltakt vom Feld gelöst und fährt Runde um Runde mehr Sekunden heraus. Dann ist klar, dass der Vorsprung der Spitzengruppe, die kompakt bleibt, ausreicht. Die Zehn müssen es unter sich ausmachen. Auf der letzten Runde beträgt das Durchschnittstempo über 51 km/h. Im Zielsprint zieht Reinhardt durch und gewinnt das Rennen vor Alexander Weifenbach und dem Drittplatzierten Dominic Klemme. Alexander Nordhoff vom Team Kern-Haus wird 5ter und verteidigt das Führungstrikot der VIVAWEST-Ruhrpott Tour.

Abendrennen sind zum Feiern da

"Und ich flieg, flieg, flieg wie ein Flieger,
bin so stark, stark, stark wie ein Tiger,
und so groß, groß, groß wie 'ne Giraffe, so hoch.
Heut ist so ein schöner Tag!
Heut ist so ein schöner Tag!"

DJ Andre spielt Tim Toupets "So ein schöner Tag". Ich wippe mit dem Fuß mit. Und hasse mich dafür. Aber dem Publikum gefällt das. Noch. Denn es wird nicht jünger und möglicherweise klafft die Altersschere bei deutschen Rennen auch aus diesem Grund. Darüber sollte man einmal nachdenken. Aber vielleicht nicht heute. Heute ist so ein schöner Tag.

Dafür stehe ich hier, genau das lebe ich! Michael Zurhausen gegenüber Turbovelos.

Team Heizomat rad-net.de wieder ganz oben

Theo Reinhardt, der dieses Jahr bei der Bahn-WM Apeldoorn Weltmeister im Zweier-Mannschaftsfahren wurde und das Rennen in Oberhausen gewann - wenn man aus Oberhausen kommt, dann darf man solche Siege direkt vergleichen - fährt zurzeit mit einer Superform. Mit in der heutigen Heizomat rad-net.de-Auswahl fuhr Lucas Liss, der 2015 bei der Bahn-WM in Paris Weltmeister im Zielstrichfahren wurde und die mehrfachen deutschen Meister auf der Bahn Nils Schomber und Leif Lampater. Lampater, der in Oberhausen noch nicht dabei war, wurde u. a. in 2005 zweifacher World Cup-Sieger im Zweier-Manschaftsfahren. Wie hat Michael Zurhausen solche Fahrer nach Gelsenkirchen-Schaffrath geholt?

Theo Reinhardt gewinnt die zweite Etappe der Ruhrpott Tour!

Knyss gewinnt das Jedermannrennen

Das vor dem KT/A/B/C-Rennen ausgefahrene und nur 33 km lange Jedermannrennen war schnell abgefrühstückt. Gegen Ende sah es so aus, als könnte sich Michael Westerhaus vom Team Boksteen als Solist absetzen. "Auf der letzten Runde fuhr ich vorne, hörte über die Lautsprecher irgendetwas von großem Vorsprung und dachte, das kann ich packen", erzählte Westerhaus hinterher. "Aber dann hörte ich hinter mir Wummp Wummmp, und da kam das Feld." Das zog dann tatsächlich kurz vor dem Zielbereich an ihm vorbei. Er wurde 9ter. "Es geht nicht darum, wer in einem bestimmten Moment schneller ist, sondern darum, wer irgendwo als Erster ist." schrieb Tim Krabbé 40 Jahre zuvor in "Das Rennen". Richtig. Leider. Und Daniel Knyss gewann. Jona Hoffmann vom Sebamed Racing Team, der in Oberhausen zehn Tage zuvor im Jedermannrennen Knyss noch knapp geschlagen hatte, landete auf dem 2. Platz. Dritter wurde Erik Fischer vom RV Blitz Spich.

After the torchlight red on sweaty faces / After the agony in stony places / The shouting and the crying / Prison and palace and reverberation of (the wheels of) thunder. T. S. Eliot, The Waste Land.

Schaffrath

Gelsenkirchen, Nordrhein-Westfalen, Germany

Distanz 1.1 Kilometer Steigung -0 Prozent Höhenunterschied 6.9 Meter

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