Die Team-Edition der Kreissäge von Standert
Text: Guido & Fotos: Fellusch

Standert Kreissäge 2nd Cut in der Team Edition

Kreissägen sind kompromisslose Werkzeugmaschinen. Manche trennen Werkstücke, andere trennen den Rennfahrer vom Radfahrer. Die Kreissäge von Standert aus Berlin ist ein rein auf Race reduziertes Bike mit einer zeitlos klassischen Rahmengeometrie, das es demnächst in einer Neuauflage geben wird. Wir trafen das Team Standert in Spich, das Prototypen der neuen Kreissäge im Gepäck hatte, und sprachen mit Maxe Faschina, der Fahrer im Team und gleichzeitig der Brand & Store Manager bei Standert ist, über ihn, über seine persönliche Kreissäge und den Lizenzsport in Berlin an sich.

Die Kreissäge für 2018: 2nd Cut in der neuen Team-Lackierung.

Angefangen hat Faschina, wie viele stark beeinflußt durch die Filme der Mash- und Macaframa-Szene, "mit so Fixed Gear-Zeugs". Auf Dauer war ihm nur Fixed Gear zu langweilig, er wollte auch mal weiter fahren und besorgte sich 2008 noch ein Rennrad mit Gängen. Für lange Strecken und Reisen. So etwas macht er noch heute. Durch die Red Hook Crit-Serie angefixt begann er aber bald, für das Team 8bar Fixed Gear-Rennen zu fahren, vor allem welche aus der Red Hook-Serie. Faschina startete u. a. 2013 und 2014 beim Red Hook in Mailand, 2015 und 2016 außerdem noch beim Red Hook-Crit in London und Barcelona, bei den Waterkant-Crits in Hamburg und anderen Fixed Gear-Rennen. Lizenzrennen ist er auch gefahren, aber selten und nur dann, wenn sich das irgendwie anbot. "So richtig interessiert hat mich das eigentlich nicht, weil: bei uns gibt es nichts. Berlin-Brandenburg ist eine totale Rennwüste."

Maxe Faschina in Spich auf der neuen Kreissäge 2nd Cut.

Berlin-Brandenburg ist eine Rennwüste

Diese Aussage ist Faschina wichtig, denn "bei uns gibts gar nichts, vielleicht drei Rennen, von denen dieses Jahr zwei abgesagt wurden. Die Rennen verschwinden alle, das Rollbergrennen wurde wieder abgesagt, das Wannsee-Rennen wurde auch nicht ausgetragen." Beide Rennen waren echte Berliner Klassiker. Das Wannsee-Rennen wird seit einem schweren Unfall im Vorjahr mit einem auf die Rennstrecke eingefahrenen Auto bis auf weiteres nicht mehr ausgetragen. Eine weitere Ausrichtung des Rennens scheitert bisher offenbar an den erhöhten und für den Veranstalter nicht mehr erfüllbaren Sicherheitsauflagen.
Das Rollbergrennen gehörte zu den traditionsreichsten Rennen in Deutschland und brachte Sieger wie André Greipel, Erik Zabel, Ralf Grabsch, Mike Kluge - mehrfacher Weltmeister und Deutscher Meister im Cyclocross - oder Peter Vonhof - der auf der Bahn 1976 mit dem westdeutschen Goldvierer Olympiasieger und 1973-75 in Folge Deutscher Meister in der Mannschaftsverfolgung wurde - hervor. Das letzte Rollbergrennen in 2016 gewann Marcel Kalz, der auf der Bahn mehrfach Deutscher Meister und Sieger bei Sechstagerennen wurde. Ende 2017 hängte Kalz das Rad an den Nagel, um beruflich neue Weichen zu stellen. Jetzt geht er auf die Polizeischule. Diese "Rennwüste", wie Faschina sie nennt, ist sicherlich auch Folge der Insellage von Berlin. "Aber wichtiger ist, dass es keinen Berliner Radsportverband gibt, der irgendwas oder irgendwen fördern könnte. Der ist auf dem Papier zwar da, aber es gibt zurzeit keinen Präsidenten, alle zicken sich nur an, der Rest des Verbandes arbeitet gegen die Vereine, die Vereine gegen den Verband und gegeneinander. Und alle, die vielleicht was machen könnten, sagen, das tue ich mir nicht an."

Die Standert Kreissäge 2nd Cut - der Flaschenhalter von Arundel an Faschinas Bike ist stimmig.

Da muss man schon mit der Säge dran, um etwas zu verändern

"Lizenzierter Radsport ist bei uns so starr und uncool geworden, dass wir dachten, da müssen wir dran, das kann jetzt eigentlich nur noch cooler werden." 2017 gründeten Faschina und andere Fahrer aus dem Berliner Standert-Dunstkreis das "Team Standert" als Renngemeinschaft und stiegen in den Lizenzzirkus ein. Und damit schließt sich der Kreis zur Kreissäge.
"Die erste Kreissäge von Standert wurde logischerweise unser Teambike für 2017." Jetzt steht der Release der neuen Kreissäge kurz vor der Tür. Was ist neu am 2nd Cut? Schauen wir uns zunächst die Spezifikationen anhand von Faschinas Bike an.

Standert Kreissäge

2nd Cut Team Edition

Rahmen Kreissäge 2nd Cut aus Aluminium/Scandium
Gabel Kreissäge Direct Mount aus Carbon
Steuersatz Acros
Gruppe SRAM RED eTap, 11-fach
Kurbel Quarq DZero Red, 172,5 mm
Übersetzung 53/39 vorn, 11-25 hinten
Tretlager First T47 internal/BB30
Bremsen SRAM S-900 Direct Mount
Laufräder Acros Road Straightpull Carbon Clincher, 45 mm
Vorbau Zipp Sprint SL, 130 mm
Lenker Zipp Service Course SL-88, 40 cm
Sattel Fizik Antares R1
Sattelstütze Zipp SL Speed, 27,2mm/20mm SB
Pedale Speedplay Zero Titan
Systemgewicht 7,5kg
Sattelhöhe 75,5cm
Sattelspitze-Lenkermitte 58,5cm

Standert.

Am Unterrohr - auf dem Bild gut hinter dem kurzen und voluminösen Oberrohr zu erkennen - ist ein externer Zughalter. Standert-mässig für diejenigen, die nicht über Funk schalten wollen. Faschina fährt die SRAM eTap, die über Funk elektrisch schaltet, daher ist der Zughalter mit einem Plug verschlossen. Die wartungsfreundlich extern verlegten Bremszüge laufen durch KEB-SL-Zugaußenhüllen von Jagwire mit Slick-Lube Linern.

Steuersatz von Acros

Der Gabelschaft ist 1 1/8" auf 1 1/5" getapert. Der Steuersatz, der hier verbaut wurde, ist von Acros (AZ-49 oben und AH-49 unten), der so, wie er hier zu sehen ist, laut Faschina sogar speziell für die Kreissäge hergestellt wurde. Acros aus Renningen bei Stuttgart führt übrigens die komplette Fertigung nach wie vor intern durch, was Sonderfertigungen offenbar einfacher macht.

Jetzt mit Direct Mount

Direct Mount-Felgenbremsen sollen im Vergleich zu einer klassischen Felgenbremse aerodynamischer und verwindungssteifer sein. Letzteres bestätigt auch Faschina. "Die Direct Mount-Felgenbremsen bieten in puncto Modulation einen echten Vorteil."

Update beim Tretlager

Das Tretlager ist ein "First T47 internal" Innenlager, das von 47 mm runter auf 30 mm (BB30) reduziert. Im Prinzip ist T47 eine gute Idee, die die Vorteile großdimensionierter Lager mit in den Rahmen verschraubten Lagerschalen kombinieren und im Ergebnis Pressfit ablösen soll. Wir sagen dazu: Hauptsache, es macht keine Probleme und knackt nicht wie Pressfit.

Ein bisschen "Bling!" muss sein

Die Team Edition-Laufräder von Acros haben Sapim CX-Ray Speichen und Acros Nineteen RD-SP Naben, auf denen "Team Standert" extravagant eingelasert wurde. "Der Freilauf hat drei Lautstärkeeinstellungen, " freut sich Faschina, "von laut bis uncheckbar laut". Der Flaschenhalter ist ein Arundel Stainless und past gut zur eher klassischen Geometrie der Kreissäge. Die Titanachsen der Speedplay-Pedale sind goldfarben eloxiert, Die Kette ist eine KMC X11SL Gold und der Wahoo ELEMNT Bolt steckt in einem K-Edge Wahoo Aero Mount in einer gelben Limited Edition.

Kurven fahren wie ein König!

"Am besten gefällt mir die Geometrie, die ist tief und steil. Das braucht zwar einen geübten Fahrer, aber dann macht die Kreissäge auch wirklich Spaß! Kurven fahren wie ein König!" Uns gefällt auch die mit viel Detailliebe ausgeführte Lackierung der Team Edition von Standert sehr. Die soll es demnächst - neben weiteren Farbdesigns - auch im Handel geben.

Schön fahren geht auch

Das denkt auch Maxe Faschina. "Die Kreissäge ist zwar für Rennen gebaut, aber ich haue da gerne auch eine Lenkertasche ran und fahr' zum See baden und dann auf'm Rückweg zur Eisdiele. Nach Jahren mit zu viel Rädern gibt es ab sofort nur noch eins, aber dafür ein richtiges."

Maxe

  • 179 cm
  • 70-74 kg (es kommt drauf an)
  • Alter 31 Jahre
  • lebt und arbeitet in Berlin
  • fährt Rennen mit Lizenz dazu
  • Fahrertyp "Puncheur"

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