Rapha RCC x Canyon Ultimate Rennrad
Text: Guido & Fotos: Fellusch

Rapha RCC * Canyon Ultimate CF SLX 9.0 AERO

“Ich bin halt ein Punk”, sagt Pete Görlitz, “ich hab angefangen, zu tätowieren, weil ich tätowieren will. Und dann kam irgendwann das Finanzamt. Und die Krankenkasse. Und der Steuerberater, der mir die ganze Zeit auf den Sack geht, und der will das und das und das von mir und ... und ich denke echt nur so, ja ey." Er lacht. “Aber irgendwas vergesse ich leider immer und das wird dann meist teuer. Also hab ich angefangen, dafür privat Kohle auf die Seite zu legen. Dann wurde ich etwas entspannter. Und als Rapha das Rad anteaserte, wusste ich, ey, das muss ich haben. Und hab mich einfach mal so für das Rad beworben. Und hab den Zuschlag bekommen. Und dann dachte ich, ach komm, scheiß drauf. Also habe ich meine ganzen für schlechte Zeiten zusammengekratzten Ersparnisse genommen und die Kohle hingelegt. Und jetzt, naja, jetzt steht die Kohle da, als Fahrrad. Und jetzt bin ich viel entspannter.”

Most paint jobs on bikes treat each piece of tubing as separate entities. We wanted to look at the frame as a whole, and to imbue it with a sensation of speed.

Patrick Wylde-Mafham, Graphic Designer bei Rapha, London.

Die Sonderlackierung ist größtenteils Handarbeit

Das “Fahrrad”, von dem hier gesprochen wird, ist das exklusive Club-Bike des Rapha Cycling Clubs (RCC), von dem nur 50 Exemplare hergestellt wurden und das ausschließlich von RCC-Mitgliedern auf einer "first come, first served"-Basis erworben werden konnte. Nur vier davon wurden in Deutschland verkauft, zwei in Süddeutschland und zwei im Ruhrgebiet. Eins davon gehört seit März 2018 Pete Görlitz. Im Kern ist das Rad ein Canyon Ultimate CF SLX 9.0 Aero in der Rim Brake-Version in einer Sonderlackierung mit einer SRAM eTap-Gruppe und Zipp 404s-Laufrädern. Das Farbdesign wurde von Patrick Wylde-Mafham, einem der Grafikdesigner aus dem Londoner Hausteam von Rapha, entwickelt. Es basiert auf dem Schwarz, Grau und Neonpink der aktuellen RCC-Kollektion. Die Ausführung der Farbarbeiten erfolgte in einem kleinen Lackierbetrieb in der Nähe des Koblenzer Hauptquartiers von Canyon, mit dem Canyon seit vielen Jahren zusammenarbeitet. Der fließende Übergang vom Grau zum Schwarz und die neonpinken Logos aus überlackierter UV-Folie sind Handarbeit. Auf jedem der Rahmen wurde das Logo des RCC-Chapters und die Mitgliedsnummer der Besitzerin bzw. des Besitzers in Schwarz angebracht. Im gleichen Betrieb erfolgte übrigens auch die Lackierung des "Canyon Speedmax CF SLX Kraftwerk", das Tony Martin beim Le Tour-Prolog 2017 gefahren hat. Das aufwändige Gittermuster des Kraftwerk-Designs wurde allerdings in mühevoller Kleinarbeit vorher bei Canon inhouse geklebt. Bei beiden Sonderrädern erfolgte nach der Lackierung der abschließende Einzelaufbau und Versand wieder durch Canyon. Dies zeigt, wie kompliziert die Wege bis zum fertigen Sonderrad sein können, zumal es meist auch Sonderwege außerhalb eines etablierten und bewährten Verfahrensprozesses sind.

RAD RACE war die Initialzündung

Früher spielte Görlitz in Hardcore-Bands, fuhr viel MTB und dachte immer, “Rennrad, nee, das ist nichts für mich. Ich hab die perfekte Scheißfigur zum Radfahren. Ich habe megakurze Beine, wiege viel zu viel und bin auch viel zu klein, aber naja, egal."
Ende 2013 riefen ihn Ingo Engelhardt und Taha Sonnenschein von Rad Race an, uralte Freunde, die er noch aus seiner Hardcore-Zeit kannte. "Ich hab 2014 das erste Rad Race-Plakat gemacht. Bei der ersten Veranstaltung war ich dann auch dabei und dachte, ey, Alter, das ist ja richtig geil!" Seitdem macht er viel Artwork für Rad Race, unter anderem alle Last Man Standing-Plakate. “Für mich war das jedenfalls sowas wie eine Initialzündung”, erzählt Görlitz, “ich hab mir danach erst ein Gravelbike geholt, mit dem bin ich aber nur Straße gefahren." Jetzt grinst er breit. "Alter, das war sowas von geil, endlich mal nicht mit 12 km/h bergauf, sondern zum ersten mal mit 25 km/h, und ich dachte, ey, geiler gehts nicht." Etwas später bekam er dann eines der Rad Race-Teambikes, auch ein Canyon Ultimate, und war komplett vom Rennradfahren angefixt.

Last Man Standing: Rad Race-Artist Pete Görlitz.
Pretty in Pink: Die folierte Typo auf dem Rahmen.

Look Pro, Go Slow

“Ich habe dann mit einem Kumpel gewettet. Wenn ich das Rapha Festive 500 (Anm.: eine Strava/Rapha-Challenge, an der jeder teilnehmen kann und versuchen muss, vom 24. bis 31. Dezember mindestens 500 Kilometer zu fahren) schaffe, trete ich in den RCC ein. Ich dachte, ey, das schaffe ich eh nicht.” Er schaffte es aber trotzdem und trat, wie versprochen, in den RCC ein. Als im November 2017 das Rapha Club-Bike angekündigt wurde, musste es Görlitz, der von sich selber sagt, er sei ein Material-Nerd - in seinem Laden befinden sich bestimmt 60 Tätowiermaschinen, die das bestätigen - haben. Unbedingt. “Machen wir uns nichts vor, ich brauch das Rad eigentlich nicht. Das ist so, als würde ich mir einen Lamborghini kaufen. Beides könnte ich gar nicht ausreizen. Aber, hey, look pro, go slow.” Im Januar 2018 sollte es ausgeliefert werden. “Soll” ist aber nicht “ist” und daher dauerte es noch bis März, bis er endlich sein Rapha-Ultimate bekam. Der Weg zum Sonderrad ist eben ein besonderer und als solche im Einzelfall verzögerungsanfällig. "Aber letzten Endes hat sich das Warten gelohnt." bestätigt Pete Görlitz. “Ich bin dann im Sonnenschein direkt zu meinem Kumpel, mit dem ich gewettet habe, gefahren, komm da an, und, ey, es fängt tatsächlich an zu schneien.” Das war die Jungfernfahrt.

RAPHA RCC * CANYON

Rahmen: Canyon Ultimate CF SLX in Gr. S
Gabel: Canyon One One Four SLX
Gruppe: SRAM RED eTap, 11-fach
Kurbel: SRAM RED, 11-fach
Übersetzung: 52/36 vorn, 11-28 hinten
Tretlager: SRAM GXP Pressfit
Vorbau/Lenker: Canyon H36 Aerocockpit CF, integriert
Sattel: Fizik Aliante R3
Pedale: Speedplay Zero Aero Walkable
Laufräder: Zipp 404s NSW Carbon Clincher
Reifen: Continental Grand Prix GP 4000 S II, 25 mm
Gewicht: 6,5 kg
Preis: 7.000 € (Special Pro Team Midweight Jersey inbegriffen)

Pete Görlitz Tattoo

Apropos Tätowiermaschinen. Eigentlich sollte bis hierhin klar geworden sein, dass Pete Görlitz Tätowierer ist. Er tätowiert vom Stil her eher Old School, und ist in diesem Bereich einer der richtig Guten. Tätowieren gelernt hat er von Ilja Hummel vom Essener Studio "Glaube Liebe Hoffnung", der Anfang der 90er Jahre zu der Generation junger Tattoo-Artists gehörte, die bunte New-School-Tattoos und Neo-Traditionals in Deutschland bekannt machten. Mittlerweile tätowiert Hummel vor allem Blackwork-Tattoos, die stark an die Holzschnitte von Dürer aus dem 15. Jhd. erinnern. Görlitz, der sich damals wie viele andere der Hardcore- und Punkrock-Kids aus dem Ruhrgebiet von Hummel tätowieren ließ, blieb allerdings dem bunten und eher flächigen Neo-Traditional-Stil, der jetzt Old-School ist, so wie Punk und Hardcore und Skate eben auch, treu. Gut 10 Jahre lang tätowierte er in der nördlichen Essener Innenstadt, in die sich zunehmend weniger Laufkundschaft verirrte. Vor zwei Jahren zog Pete schließlich auf die Rüttenscheider Straße 242 in Essen um. “Hier ist es schöner und hipper. Und Laufkundschaft gibt es jetzt auch genug.”

Pete

  • 173 cm
  • 100 kg
  • Alter 38 Jahre
  • lebt und tätowiert in Essen
  • fährt am liebsten "schön"

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