Standert.
Text: Guido & Fotos: Fellusch

Team Standert - 100 % Berlin

Es ist Anfang Juli, die Lizenzrennsaison ist in vollem Gang. Zumindest in NRW, wo alleine im Juli so viele Rennen ausgerichtet werden wie in Berlin während der ganzen Saison. Wir sind beim Großen Preis der Stadt Troisdorf im Rhein-Sieg-Kreis in Nordrhein-Westfalen, sitzen in der brütenden Nachmittagshitze auf dem Randstein hinter der Streckenabsperrung und warten auf das Berliner Team Standert, mit dem wir uns verabredet haben.

Das Team ist eine Gruppe von Freunden aus dem Dunstkreis der 2012 von Max von Senger gegründeten Berliner Radmarke Standert Bicycles und dem dazugehörigen Standert Bicycle Café, einem Knotenpunkt der Berliner Zweiradszene. Standert Bicycles hat sich weit über die Grenzen von Berlin einen Namen gemacht und liefert mittlerweile weltweit aus. Im Herzen ist das Unternehmen aber immer ein Berliner geblieben. Auch die Jungs der Elite-Renngemeinschaft Team Standert, die zwischen den beiden Spicher Renntagen bei einem befreundeten Bikefitter aus Köln, Bastian "Fonsi" Marks von Marks Walter, unprätentiös auf Luftmatratzen übernachten werden, sind zu 100 % Berlin. Dabei spielt es keine Rolle, dass beispielsweise Daniel Campbell-Williams eigentlich aus Sydney kommt und erst seit gut einem Jahr in Berlin lebt und arbeitet.

Alle Jungs sind in erster Linie Rad- und Radsportenthusiasten. Das Thema Zweirad zieht sich durch ihr ganzes bisheriges Leben.

Dan Campbell-Williams, der in Berlin als Designer arbeitet, ist, bevor er auf die andere Seite der Weltkugel übersiedelte, in Australien Gravelrides und Cyclocrossrennen für Over Yonder Racing gefahren. 2016 reiste er mit seinem Teamkollegen und gutem Freund, dem Fotografen "Beardy McBeard" als Teil von "Beardy's Caravan" hinter der Tour de France her. Und landete schließlich in Berlin. In Spich wird er im A-/B-/C-Rennen 24ster und am zweiten Renntag im C-Klasse-Rennen Dritter.

Thorben Haushahn, der am zweiten Renntag Vierter und durch Platzierung in die B-Klasse aufsteigen wird, ist ebenfalls kein gebürtiger Berliner, sondern stammt aus Kiel. Er arbeitet er für die Berliner Fahrradschau und betreut dort u. a. die Cycling & Politics Area. Haushahn hat das Thema Fahrrad sogar zum Thema seiner Masterarbeit im Sustainable Marketing & Leadership gemacht: "Kult als Chance für Nachhaltigkeit - dargelegt am Thema des Fahrrads".

Silvio Pusch wird am ersten Renntag 22ster und stürzt - immerhin top positioniert - am zweiten Renntag in der letzten Kurve vor dem Ziel. Pusch stammt aus Cottbus, arbeitet in Berlin als PR-Redakteur und ist der Baroudeur im Team.

Adrian Scholz steckte am zweiten Renntag hinten im Feld fest und konnte vorne nicht eingreifen. Er ist Physiotherapeut aus Brandenburg an der Havel.

Maxe Faschina, der am zweiten Renntag Fünfter wird und ebenso wie Haushahn durch Platzierung in die B-Klasse aufsteigen wird, ist Brand & Store-Manager bei Standert Bicycles. Über ihn haben wir an dieser Stelle schon geschrieben.

Benedict Herzberg ist Head of Marketing bei Standert Bicycles und war vor Standert bei Komoot, dem Anbieter eines Portals und einer App für Fahrradnavigation, als Community Manager und Online-Marketeer.

Ready - set - off they go!

Team Standert zu Beginn des Rennens.
Der ganze Elite-Amateursport bei uns in Berlin, der ist so am Boden, da mussten wir jetzt einfach rein. Maxe Faschina

Ein KT-Team wäre toll, aber nicht mit uns, natürlich

Maxe Faschina beschreibt Berlin-Brandenburg und ganz besonders Berlin als Radsportwüste. "Und weil da eh alles am Boden ist, da dachten wir uns, fahren wir Elite-Rennen. Jetzt, diese Saison, waren wir in NRW unterwegs, und da haben wir dann gesehen, dass es auch anders geht." Dabei sehen sich die Jungs, die bei Rennen darauf achten, dass jeder von ihnen mal punkten kann und für die der Umstand, dass sie zusammen als Team fahren können, Vorrang vor persönlichen Erfolgen hat, eher als Türöffner für die nächste Generation von Berliner Talenten. Und mit denen könnte man in einem weiteren Schritt vielleicht ein Standert-KT-Team aufbauen.
"Ein KT-Team wäre toll. Aber nicht mit uns, natürlich. Da sind wir nicht mehr gut genug, mit um die Dreißig muss man nicht mehr anfangen, zu träumen. Wir kennen genug Leute aus dem Bereich und wissen, was das leistungs- und aufwandsmäßig bedeutet." Da ist Faschina ein Berliner Realist.
“Wir haben schon angefangen, den Nachwuchs zu fördern.” Den siebzehnjährigen Maurice Ballerstedt beispielsweise, der dieses Jahr den zweiten Lauf der Rad-Bundesliga im Rahmen von Eschborn-Frankfurt gewonnen hat und sich zu einem großen Klassikertalent entwickelt. Oder die ein Jahr jüngere Paula Leonhardt, die gerade Deutsche Vizemeisterin auf der Straße und Dritte bei den Deutschen Meisterschaften in der Mannschaftsverfolgung wurde. Beide fahren für den gleichen Berliner Verein. Und fahren nunmehr im Prinzip auch das gleiche Material wie das Team Standert.

Thorben Haushahn vorne.

Done and Dusted

Das erste Rennen in Spich ist ein Rennen für die A-/B-/C-Klasse. Die C-Klasse, in der das Team startet, erhält eine Zeitvorgabe.
Die ist letztendlich Makulatur, denn dieses Rennen ist auch das Heimrennen von Team Kern-Haus, einem der derzeit besten deutschen Elite-Amateur-Teams, das mit acht Fahrern antritt und das Rennen buchstäblich auseinander fährt. Nach wenigen Runden gelingt es Simon Happel vom Team Kern-Haus, der auch das Rennen gewinnen wird, sich gemeinsam mit dem späteren Zweitplatzierten, Frederik Volmerg vom Team Embrace The World, vom Feld zu lösen. Kurz darauf geht eine zweite Gruppe, in der drei weitere Kern-Haus-Fahrer sind. Beide Gruppen fahren Runde um Runde Zeit auf das Feld heraus und überrunden es schließlich.
Ruhiger wird das Rennen dadurch nicht. Immer wieder werden Attacken gefahren, kleine Gruppen lösen sich kurz, um wieder eingefangen zu werden. Dann kann sich erneut eine Gruppe von sieben oder acht Fahrern, in der zwei weitere Kern-Haus-Fahrer vertreten sind, erfolgreich absetzen. Für viele Fahrer, vor allem für die C-Fahrer, ist das durchweg hohe Tempo mit permanenten Tempoverschärfungen nicht dauerhaft zu halten. Nach und nach sammeln sich immer mehr Fahrer am Streckenrand. Vom Team Standert schaffen es am Ende nur Dan Campbell-Williams und Silvio Pusch, das Rennen zu Ende zu fahren. Pusch wird später 22ster, Campbell-Williams 24ster.
Maxe Faschina versucht, zu Pusch, der es geschafft hat, in eine der Gruppen zu kommen, aufzuschließen, obwohl das Loch eigentlich schon zu groß ist, um von einem alleine zugefahren zu werden. Er schafft es tatsächlich, aber der Preis ist hoch. Faschina explodiert zwei Runden später. Bene Herzberg wiederum hat Pech. Nach gut 30 Minuten im Rennen muss er das Hinterrad wechseln. Er bekommt zwar eine Rundenvergütung, allerdings schicken ihn die Kommissäre versehentlich nicht an seine ursprüngliche Position im Rennen, sondern in eine bereits abgehängte Gruppe. Für Herzberg ist es sinnlos, das Rennen weiterzufahren.
Bis auf Campbell-Williams und Pusch, die verhältnismäßig gut positioniert sind, müssen auch die übrigen Team Standert-Fahrer einsehen, dass es keinen Zweck hat, sich in einem verlorenen Rennen leer zu fahren. Vor allem, wenn man am nächsten Tag noch einmal ein Rennen bestreiten will. Und hier zeigt sich, dass das Team wirklich ein Team ist: Die ausgeschiedenen "Standerts" kümmern sich nicht um sich selbst, wie es viele andere Fahrer tun würden, sondern stellen sich hinter die letzte Kurve vor der Zielgeraden, füllen leere Flaschen auf und reichen sie Pusch und Campbell-Williams an, die noch im Rennen sind.

Teammates & Friends - Adrian Scholz (l) und Bene Herzberg (r).
Dan Campbell-Williams pulls a wheelie.

Pulling after-race wheelies

Der Umstand, dass es sich Campbell-Willams auch nach einem harten Rennen nicht nehmen lässt, für uns und seine Teamkameraden ein paar Wheelies zu fahren, zeigt, was für die Jungs im Vordergrund steht:

Spaß und Radsportenthusiasmus.

Troisdorf-Spich

Troisdorf, Nordrhein-Westfalen, Germany

Distanz 1.14 Kilometer Steigung -0 Prozent Höhenunterschied 5.5 Meter

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