Text & Fotos: Fellusch

Ein echter Alu-Racer aus dem UK

Als Rahmenmaterial ist Carbon derzeit zwar das Mittel der Wahl, aber auf den Markt rund um das Leichtmetall habe ich noch immer ein Auge. In diesem Artikel zeige ich euch einen echten Geheimtipp aus England. Mein Planet-X Galibier kommt in Größe L (54).

Aluminiumrahmen, die leicht sind und eine Renngeometrie aufweisen, sind aktuell nicht gerade häufig zu finden. In der engeren Auswahl standen das Bowman Palace:R, das Kinesis Aithein Evo und das Galibier aus Sheffield.

Preissturz auf der Insel

Bevor ich mich in Details verliere, muss ich vorweg einen wichtigen Punkt ansprechen, den Preis. Ich habe für das ganze Rahmenset, geliefert aus England mit DHL in 3 Tagen, sage und schreibe 396,- € bezahlt. Das ist, gemessen an dem, was ich euch gleich beschreibe, unglaublich wenig. Manche schrauben 400,- €-Anbauteile an ihr Rennrad, hier bekommt man für das gleiche Geld einen absoluten Racer.

Bei Planet-X tanzen die Preise für die Eigenmarken ganz schön oft, denn nach meinem Kauf ging das Set um 100,- € (exklusive Versand) nach oben. Drei Wochen später war es wieder zu dem von mir genannten Kurs verfügbar.

Daher als kleiner Tipp: Beim Kauf von Planet-X-Rahmensets bzw. generell bei größeren Anschaffungen solltet ihr immer erst für ein paar Wochen die Preisentwicklung des Produkts beobachten.

Planet-X Galibier im Qualitätscheck

Das auf den ersten Blick unaufgeregt wirkende Galibier hat alles, was ein moderner Rennradrahmen braucht. Leichtes Aluminiummaterial (6061 Aluminium, zweifach konifiziert/Triple Butted), ein 1,5"-Steuerrohr und voluminöse Rohre, die in den Tretlagerbereich führen. Der Lack des Rahmens scheint anodisiert zu sein, die Gabel hingegen gewöhnlich lackiert. Bei beidem ist die Verarbeitungsqualität aber durchweg sehr gut.

Der Aluminumrahmen ist auch makellos verarbeitet, nur die nicht so filigranen Schweißnähte sind zumindest optisch ein Minuspunkt, auch wenn sie sonst sauber verarbeitet sind. Aber wenn man hier den Preis des Rahmensets bedenkt, kann man damit durchaus gut leben.

Ein echter Hingucker findet sich im Steuerrohrbereich. Eine schön gearbeitete Plakette ziert den Kopf des Renners. Ich finde dieses kleine Highlight nicht nur schön gemacht, so ein Detail hebt den Rahmen auch ein wenig von den sonst einfach beklebten Steuerrohren der Konkurenz ab.

Die am Kopf platzierte Plakette soll immer an die Herkunft erinnern: Sheffield, England.

Dicke Rohre und limitierte Reifenfreiheit

Persönlich gefällt mir ja ein kurzes Steuerrohr in Verbindung mit einem hohen Durchmesser sehr. Andere hingegen mögen es vielleicht etwas gemäßigter. Wie schon oben angedeutet werden die Rohre des Galibiers zum Tretlagerbereich hin vom Umfang her immer voluminöser. Kein Wunder, denn die Rohre werden zugleich auch immer dünnwandiger, um das Gewicht einigermaßen halten zu können. Auffällig ist das Sitzrohr, es wird ab dem Anlötbereich breiter. Mir ist in diesem Zusammenhang in einem Video über das Bowman Palace:R aufgefallen, dass beide britischen Hersteller da relativ gleich arbeiten. Vielleicht ein Indiz auf den tatsächlichen Rahmenhersteller? Die Sitzstreben und die Kettenstreben sind normal oval bis flach gehalten. Hier gibt es keine Überraschungen. Die Gabelscheiden sind gerade und recht breit gebaut, auch das kommt mir wieder entgegen.

Was mir nicht ganz so gut gefiel, ist der begrenzte Platz für Reifen mit einer Breite über 25 mm. Beim Aufbau wollte ich z.B. Laufräder mit 25 mm Tubelessreifen von Schwalbe in den Rahmen einspannen. Es blieb leider beim Wollen, denn das Galibier hat für diese Reifenbreite keinen Platz mehr reserviert. Klar, die 25er Schwalbe One Evolution sind mit tatsächlich 28 mm außergewöhnlich breit. Dennoch. Der Hersteller Planet-X hat 25er Reifen auf breiten Felgen für den Rahmen freigegeben. Dann sollte der Rahmen auch solche Toleranzen verkraften können. Tut er aber nicht. Mit den 25er Veloflex Master passt aber alles. Allerdings fallen die eher wie ein 23er Reifen aus.

Außenliegende Zuganschläge

Die Züge werden außen am Rahmen geführt. Klar, das Set hat nicht die Ambition, ein aerooptimierter Rahmen zu sein, daher finde ich die Wahl außenliegender Zuganschläge legitim. Und wenn ich ehrlich bin, finde ich es auch mal gut, wieder einen Rahmen zu haben, bei dem ich nicht mit Linern das große Nach-im-Rahmen-verlorenen-Zügen-Angeln habe.

Leichtes Übergewicht

Die Gewichte habe ich selber ermittelt und nicht von der Webseite des Herstellers übernommen.

Die Vollcarbongabel des Galibier bringt lediglich 332 g auf die Waage. Und das bei einem ungekürzten Gabelschaft! Das Rahmenset selber habe ich mit 1.160 g gewogen. Damit ist zumindest mein Rahmenset kein - wie angepriesen - “Sub Kilo Frame”, aber immer noch leichter als ein Cannondale CAAD12.

Bei dem Gewicht des Rahmens würde ich mir mehr Offenheit beim Hersteller wünschen, daher fließt die Differenz des tatsächlichen Gewichts zur Herstellerangabe auch negativ in meine Bewertung ein.

Die Geometrietabelle des Planet-X Galibier

Fahrgefühl des englischen Renners

Vor dem ersten Test auf der Straße waren die Erwartungen hoch, denn die Geometriedaten ließen einen echten Renner vermuten. Zum Glück wurde ich nicht enttäuscht! Das Galibier wollte immer nach vorne. Es gibt ja wirklich träge Räder, davon hatte ich auch schon mindestens eines, aber die Rakete aus Sheffield war alles andere als ein träger Alu-Bock.

Natürlich habe ich unser Lieblingssegment - den Esel am Ende der Essener Straße zwischen Ratingen und Essen - genommen, um bei einer kurvigen Abfahrt das Verhalten zu testen. Kopflastig ist das Rad, keine Frage, aber gesund kopflastig. Das Galibier konnte ich eng durch die Kurve manövrieren, auch durch die beiden besoners engen am Ende des Segments. Zu keiner Zeit hatte ich das Gefühl, ich würde das Rad an seine Grenzen bringen. Im Sprint fand ich das Rad auch im mittleren Bereich steif, gerade da, wo die meiste Energie zusammen kommt. Meine Position im Sprint ist eher flach über dem Vorbau, das Rad blieb spurtreu auf Kurs gen Ortsschild.

Kriterien mit reichlich Kurven und Antritten scheinen genau das richtige Jagdrevier des Galibiers zu sein. Wobei das Gewicht und die Handling in Abfahrten auch Bergfahrer entgegen kommen wird.

Zahlen, Daten & Fakten

Vorteile
  • ganz klar: Der Preis!
  • Gewicht des Sets
  • die sportliche Geometrie
  • kurze Lieferzeit aus England
Nachteile
  • wenig filigrane Schweißnähte
  • Gewichtsdifferenz beim Rahmen
Preis und Verfügbarkeit

396,- € inkl. Versand aus Sheffield

Empfehlungsfaktor

4.5 / 5

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