Text & Fotos: Fellusch

Der Alleskönner Panaracer Gravelking im Test

Immer wiederkehrend zum Herbstanfang macht man sich auf die Suche nach einem guten Reifen für die eher dreckigen Tage. Der gesuchte Kandidat sollte bestmöglich robust sein, leicht rollen bzw. ein angenehmes Abrollgefühl vermitteln und Grip haben. Bringt der Reifen dann noch Komfort mit und ist nicht zu teuer, dann hat man eigentlich die eierlegende Wollmilchsau, die jeder sucht.

Ich muss auch gestehen: nach vielen Jahren Continental-Reifen wollte ich mal wieder etwas anderes fahren und für mich eine Marke finden, an der ich mich noch nicht sattgesehen habe. Und nachdem ich beschlossen hatte, an absoluten Dreckstagen meinen Focus Mares CX-Crosser zu nehmen, war es an der Zeit, sich auf die Suche nach einem neuen Reifen zu machen. Mein Crosser bietet ja ausreichend Reifenfreiheit, mit der 23 mm-Reifen selbst dann, wenn man nur auf der Straße fahren sollte, sehr bescheiden aussehen. Der neue Reifen sollte also, um mich glücklich zu machen, zwar straßentauglich sein, aber dennoch genug Grip und Breite haben, um durch den Duisburger Stadtwald ballern zu können.

Panaracer Gravelking in 32 mm

Das Innenmaß der Felge an meinem Crosser ist mit 19 mm breit genug, um auch Reifen fernab der 30 mm zu fahren. Daher wollte ich mich nicht auf 25 oder 28 mm breite Reifen eingrenzen. Der Panaracer Gravelking in 32 mm bietet genügend Breite und kann auch mit einem entsprechend niedrigeren Druck gefahren werden. Das wiederum ist ein riesen Pluspunkt in Sachen Grip und Reifenkomfort. Also, die Details zusammenfassend, wären das: 32 mm breiter Semi-Slick-Reifen aus einem sehr elastischen und flexiblen Material, der mit jeweils rund 280 g für seine Dimensionen erstaunlich leicht ist.

Der Panaracer Gravelking in 32 mm Breite mit dem Semi-Slick-Profil. Die "SK" Variante hingegen hat ein grobes Profil.

Robust und griffig

Ein Riesenplus des Panaracer Gravelkings ist seine Griffigkeit und sein Handling in allen Einsatzbereichen. Ich fahre den Reifen ca. 70 % auf der Straße und 30 % auf seinem eigentlichen Einsatzgebiet: Schotter und Waldwege. Ein gutes Beispiel für den Einsatzbereich des Reifens findet sich auf meinen Trainingsstrecken durch den Stadtwald in Duisburg und rund um die Sechs-Seen-Platte. Hier ist ein schönes 50:50-Verhältnis aus Schotter mit teilweise sehr großem Kies und Asphalt. Das Verwunderliche ist, dass man kaum merkt, wenn man von Schotter auf Asphalt fährt oder umgekehrt. Das Handling ist überall erstaunlich gutmütig.

Ich bin den Reifen am Esel in Essen bei nasser Fahrbahn bergab gefahren, im Wald stehend bergauf oder in normalen Kurven mit nassem Asphalt oder über Schotterwege, welche zu dieser Jahreszeit noch angetaut waren. Alles ohne signifikant zu rutschen und nie mit dem Gefühl, mehr als sonst aufpassen zu müssen.

Abnutzung nach ca. 1.000 km: Links der Vorderreifen, rechts der Hinterreifen.

Durch sein flexibles und elastisches Material zeigt der Reifen ein für seine Breite verhältnismäßig gutes Abrollverhalten, das sich durch Latexschläuche - siehe unten - noch einmal steigern ließ.

Trotzdem ist der Gravelking überaus robust. Bis zum Erstellen dieses Artikels bin ich ca. 1.000 km gefahren. Auf der hinteren Lauffläche kann man leichte Abnutzungserscheinungen erkennen. Der Vorderreifen hingegen zeigt noch keine wirklich sichtbare Abnutzung.

Noch mehr Performance mit Latexschläuchen

Was mir - wie bei fast jedem anderen Reifen aber auch - nicht so richtig gefällt, ist das nicht ganz so seidige Abrollverhalten mit Butylschläuchen. Um auszuprobieren, was insoweit beim Gravelking mit einem Latexschlauch noch herausgeholt werden kann, habe ich testweise Latexschläuche von Vittoria in 25/28 622 - diese haben zwar eine angegebene Reifenmaximalbreite von 28 mm, funktionieren aber auch in den 32 mm breiten Reifen tadellos - herausgesucht. Also alte Schläuche raus, neue rein, 5 bar Luft auf die Reifen und los ging es.

Wenn ich nun mit dem vorderen Reifen Unebenheiten überfahre, merke ich es noch immer deutlich. Aber waren die Schläge zuvor noch unangenehm, lässt es sich jetzt mit den Latexschläuchen entspannt aushalten. Insgesamt erhält man ein sanft(er)es Abrollverhalten, und das bei einem 32 mm breiten Reifen, der in erster Linie für Gravel konzipiert wurde. Natürlich sollte man sich dabei nicht die Illusion machen, dass man nun à la Fatbike über Unebenheiten hinwegrollt.

Pannenschutz

Kurz vor Erstellung der Bilder für diesen Artikel hab ich gesehen, dass der Vorderreifen an einer Stelle zwei Cuts in der Lauffläche hat. Wenn ich mir diese ansehe, finde ich den Pannenschutz lobenswert, denn ich könnte mir vorstellen, dass andere Reifen hier durchaus in die Knie gegangen wären.

Gut zu sehen: Die beiden Cuts auf der Lauffläche.

Ansonsten gibt es bei beiden Reifen keine Einstiche, Einschlüsse von Steinchen oder sonstige Auffälligkeiten. Und ich lasse mit den beiden Reifen wirklich keinen Schotter aus. Zusammenfassend würde ich das Pannenschutzverhalten des Reifens eher loben, als negativ bewerten. Wortwörtlich ein Gravelking.

Zahlen, Daten & Fakten

Vorteile
  • robuste Lauffläche auf verschiedensten Untergründen
  • angenehmes flüssiges Abrollverhalten
  • erhöhter Komfort im Vergleich zu einem schmalen Straßenreifen
  • sicheres Fahrgefühl in Kurven
Nachteile
  • je nach Reifendruck mit Butylschläuchen etwas hart bei Schlägen
Preis und Verfügbarkeit

15,99 €
Gekauft bei Probikeshop

Empfehlungsfaktor

4 / 5

Galerie

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